von Johannes Zeininger

KAMMA ÄNDERN!

(Zeininger reflektiert über eine Veranstaltung am 3.11.2014 in der IG Architektur zum aktuellen Stand der Veränderungen in der Kammer)


die ig architektur ist endgültig in der gesetzlich vorgeschriebenen berufsvertretung angekommen. beeindruckend, fast verunsichernd, ist die fülle der themen, die auf regionaler und bundesebene seit der wahl im mai angegangen werden. das sind aufgaben, die der unternehmensführung eines mittleren unternehmens entsprechen - und das alles ehrenamtlich erbracht. (was aus meiner sicht reformbedürftig ist, wenn hier eine kontinuierliche professionalität gehalten werden soll). eindrucksvoll ist die liste der agenden, eindrucksvoll die ersten resultate aber eindrucksvoll auch das angepeilte aufgabenpensum. uff! es gab viel applaus, das stärkt.

reflektierend noch zwei gedanken zum außen und innen.

vielleicht muss auch auf grundsätzlicher, vernetzter ebene - und mit dem fokus auf die agenda des gemeinwohls - eine öffentliche diskussion zur stellung und bedeutung von  g e i s t i g e r   L e i s t u n g  im kontext einer weltumspannenden marktwirtschaft angezettelt werden. die ausschließliche geistige leistung ist ein wesentliches merkmal unserer beruflichen tätigkeit als architekturschaffende. diese haben als konsulentinnen und konsulenten gesetzlich verankert auf jegliche waren- und güterproduktion verzichtet und sich allein auf die geistige konzeption (siehe: forschung und entwicklung) spezialisiert.

die ideelle wertschöpfung ist dabei volkswirtschaftlich und sozioökonomisch enorm, hingegen ist der anteil am wirtschaftlich generierten umsatz des BIP (eine zunehmend in die kritik geratende mess- und vor allem wertgröße) verschwindend gering. dieses paradoxon findet sich in den normen der EU und den nationalen folgenormen, allen voran dem vergabegesetz, wieder. die besonderen bedingungen für das qualitätsvolle zustandekommen von geistigen leistungen sind strukturell entsprechend des anteils am pekuniären erlös marginalisiert und werden als anhängsel an die regelungen zur waren- und güterproduktion unspezifisch behandelt.

das setzt sich in wirtschaftsberichten und täglichen reportagen auf allen ebenen des wahrnehmungsmarkts fort, wo verbrauch generierende leistungen im aufmerksamkeitsportfolio immer vor geistigen leistungen zu finden sind. ich meine, hier gehört gegengesteuert, nicht nur für verbesserte arbeitsbedingungen von uns, sondern auch auch als notwendiger beitrag zur absicherung des hochentwickelten lebensmittelpunkts von uns allen in europa. ich meine, es muss von uns mit verbündeten in der öffentlichkeit verstärkt über die bedeutung von geistigen leistungen - von der ausbildung über die forschung bis zur breiten anwendung - von uns architektInnen und ingenieurkonsulentInnen informiert werden.

im innenverhältnis innerhalb der ziviltechnikerinnen und ziviltechniker ist uns von der ig architektur klar, dass wir bei all unseren anliegen und bei unserem elan nur so stark und erfolgreich sein können, wie wir es schaffen, uns partnerschaftlich nach weggefährtInnen umzusehen. die wahlen im mai haben die karten der beteiligten neu gemischt, entscheidend für den erfolg ist dabei, wie es unter den im grunde kontinuierlich sich verschärfenden arbeitsbedingungen für die kleine sondergruppe von geistigen dienstleisterInnen realisiert werden kann, aufgegriffene ziele gemeinsam weiterzutragen und neue zu eröffnen. die gestrige zusammenkunft lässt hier perspektive zu. wir klinken uns ein.

 


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