von Johannes Zeininger

Seriell Bauen - Chance für den Wohnbau?

mein persönliches interesse dockt vor allem inhaltlich über den typus als begriff an die begrifflichkeit von serieller produktion an. heikel an serieller produktion ist, dass aus sicht der architektur hier am fließband immer wieder das gleiche produziert werden soll, um effizienz und qualität zu steigern, wie z.b. in der fahrzeug- oder liftproduktion. die architektur begibt sich damit ökonomisch und inhaltlich weit in das feld der warenproduktion der großen zahl.

ein weiterer, notwendiger schritt sind parallel zur seriellen produktion musterentwürfe, wie sie z.b. von der wiener stadtpolitik bereits mehrfach zur vereinfachung und kostensenkung von bauaufgaben (wie die errichtung von kindergärten und schulen, auch neuerdings andernorts für asylunterkünfte, etc.) gefordert wurden. hier ist aus meiner sicht in unserer universell ausgebildeten berufsgruppe auf die auslotung der umfassenden qualität von architekturerzeugnissen gegenüber den einsparungs- und effizienzsteigerungen aus marktwirtschaftlichen kalkül zu achten.

wir haben viele jahre gegen die standardisierten, einseitigen raumprogramme der schulbehörden bei schulwettbewerben angekämpft und sind bei der seriellen produktion im wohnbau nun gefordert, hier ähnlich differenziert die sache anzugehen.

zurückliegende ergebnisse serieller produktion im wohnbau, dominiert von der plattenbauweise (wer kennt heute noch das camus-system?), wo volkswirtschaftliche leitziffern das maß aller dinge im westen wie im osten wurden, die wien z.b. die großfeldsiedlung, international den großstädten die agglomerationen der banlieues gebracht haben und der architektur die postmoderne, sollten jedoch nicht mehr wiederholt werden. trotz des aktuellen wachstumdrucks und davon abgeleitet der politischen nachfrage vieler städte.

auch muss allen bewusst sein, dass wir einer industrialisierung 4.0 entgegen gehen, in der menschliche arbeitskraft im bereich serieller produktion weitgehend auf begleitende kontroll- und serviceleistungen schrumpfen wird. nur das sanfte aber aufwändige und arbeitsintensive weiterbauen an der stadt wird bei entsprechendem politischen kalkül weiterhin jene arbeitskräfte beschäftigen können, für die das bauwesen konjunkturell am arbeitsmarkt auch heute noch lenkend politisch eingesetzt wird.

was bringt die vorschreitende industrialisierung der dinglichen welt für das verständis vo zusammenleben, wenn klassische lohnarbeit rapide ausgedünnt wird. ich will sicher nicht das rad der zeit aufhalten, doch möchte ich gerne am begriff des handwerks eines richard sennett's (the craftman) anknüpfen. architektur als räumliche vision vom zusammenleben von menschen und deren koexistenz mit umwelt und natur muss das mitbedenken. sonst wird raumproduktion immer mehr zu einer ingenieurhaften aufgabenstellung der bauwirtschaft, die kostengünstige, effiziente, qualitätvolle, werthaltige raumprodukte dem wohnungsmarkt anbietet, in deren produktionskette sich die architektenschaft passgenau einzugliedern hat.

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