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„Wir brauchen eine Frauenquote“ - Telefongespräch mit Christoph Achammer

Vereinbarkeit von Beruf und Familie für ArchitektInnen

Wir sprachen mit Christoph M. Achammer, CEO von ATP, am Telefon über das Thema Frauen in der Architektur und welche Rahmenbedingungen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern.

Anne Isopp: Bei ATP gibt es eine  Arbeitsgruppe „Mehr Frauen in Führungspositionen“. Warum haben Sie diese initiiert?

Ich bin Professor an der Technischen Universität und muss feststellen, dass wir zu Studienbeginn gleichviel - wenn nicht sogar mehr - weibliche als männliche Kollegen haben. Das kann nicht sein, dass wir so viele Frauen ausbilden und dass diese dann nach der Uni in der Versenkung verschwinden.

Wir haben in den vergangenen Jahren im Unternehmen viel unternommen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf organisatorischer Eben zu unterstützen: Wir haben eine flexible Arbeitszeit eingeführt mit einer Kernarbeitszeit von gerade mal drei Stunden, wir haben an den großen  Standort einen eigenen Kindergarten, die ATPünktchen, aufgemacht (für Kinder von 18 Monaten bis 6 Jahren) und an den kleinen Standorten rooming-in-Räume, in denen die Kinder spielen können. Unser erklärtes Ziel ist es, 20 Prozent aller Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen zu besetzen.

Die Struktur der Architekturbüros in Österreich ist sehr kleinteilig. Ist es nur für ein so großes Unternehmen wie ATP möglich diese Rahmenbedingungen zu schaffen? Was kann man kleinen Büros raten?

Nein, wir glauben, dass eine glaubwürdige Kreativität auch eine qualitative Lebensführung braucht. Das Problem ist die Haltung im Kopf. Die Schaffung solcher Rahmenbedingungen wird verhindert durch die Selbstausbeutung unserer Branche, das ungeordnete Wettbewerbswesen und die für selbstverständlich erachtete Leibeigenschaften dem Bauherrn gegenüber.

Wir haben mit Frauen gesprochen, die sagen sobald sie nach der Karenz  ins Büro zurückgekommen sind, haben sie nur mehr uninteressante Aufgaben bekommen – nicht ihrer Qualifikation entsprechend.

Das ist absoluter Unsinn. Das ist eine reine Haltungsfrage. Nach der Haltungsänderung kommt die Organisationsänderung.

Warum sind so wenig Frauen in der Architektur tätig?

Man muss sagen, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen trotz Väterkarenz etc. die Frauen in die traditionelle Rolle  drängen. Sie kriegen mehr Geld, wenn sie zu Hause bleiben. Das ist das erste Hauptproblem. Das zweite Hauptproblem ist die Geschichte im Kopf.

Viele sind der Meinung, dass eine Quote Unsinn ist. Ich bin aber der Meinung, dass wir eine Quote brauchen. In den Ländern, in denen es eine Quote gibt, ist die Gleichberechtigung viel schneller gegangen.

Herr Achammer, vielen Dank für das Gespräch

Anne Isopp


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