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Where do all the women go?

Vereinbarkeit von Beruf und Familie für ArchitektInnen

In Australien wurde ein Forschungsprojekt zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der australischen Architektur durchgeführt. Naomi Stead und Justine Clark haben sich dabei auch mit Fragen zur Teilzeitarbeit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie beschäftigt:

Die überwältigende Mehrheit von weiblichen Architektinnen gibt an, dass Kinder negative Auswirkung auf ihre Karrieren haben. Eine Ursache dafür ist, dass in der Architektur überdurchschnittlich viel gearbeitet wird (30% der männlichen Architekten arbeitet mehr als 50 Wochenstunden). Mit Betreuungsverantwortung für Kinder sind solche Arbeitszeiten nicht vereinbar.

Das Ungleichgewicht entsteht, wenn Architektinnen mit Kindern nicht mehr an den überlangen und schlecht bezahlten Arbeitszeiten partizipieren, sondern Berufs- und Privatleben miteinander vereinbar machen wollen. Dann wird die Arbeit von Architektinnen mit Kindern in ihrem Arbeitsumfeld als nicht mehr ernsthaft und engagiert genug wahrgenommen. Viele Frauen mit Kindern erlebten mit dem Umstieg auf Teilzeitarbeit folgendes: Ungleichbehandlung, wesentlich weniger Verantwortung, weniger Anerkennung, weniger proportionales Gehalt. In der Arbeitskultur der Architektur ist eine teilzeitbeschäftigte Projekt-Architektin die Ausnahme.

Naomi Stead und Justine Clark stellen fest, dass nicht die Tatsache, dass Architektinnen Kinder haben, das Problem ist, sondern die Erwartungshaltung an das „Architekt-Sein“ und die Auffassung, dass das nicht mit Betreuungstätigkeit von Kindern vereinbar ist.

Dazu geht aus den Untersuchungen weiters hervor, dass in der Architektur Teilzeitarbeit weniger unterstützt wird, als in anderen Berufsfeldern. Teilzeit kann auch in der Architektur einen positiven Karriereeinfluss haben, aber nur wenn diese Beschäftigungsform aufgrund von Studium oder anderen beruflichen Verpflichtungen gewählt wird, aber nicht, wenn jemand Teilzeit arbeitet, weil er am Nachmittag seine Kinder betreuen muss.

Ähnliches haben uns auch schon viele österreichische Architektinnen und Architekten erzählt. In unserem Projekt „Vereinbarkeit Beruf und Familie in der Architektur“ untersuchen wir, wie es möglich ist, Familienleben und Beruf zufriedenstellend zu verbinden. Lösungsansätze erfordern zunächst einmal das grundsätzliche Infragestellen von Mechanismen im Berufsfeld Architektur.

  Mehr Informationen zu der Studie


Sabina Riß-Retschitzegger


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